Schnellstraße am Schwarzen Meer in der Nähe von Rize
Schnellstraße am Schwarzen Meer in der Nähe von Rize

Auf der Suche nach Informationen im Internet die für unsere Autofahrt am Schwarzen Meer nützlich sein könnten, fand ich auf den Webseiten von „n-tv“ folgenden Text: „Jeden Sommer strömen in der Türkei Einheimische wie Ausländer zur Mittelmeerküste, nach Antalya und zur Ägäis. Zur Schwarzmeerküste im Norden zieht es dagegen bisher wenige Touristen aus Deutschland oder England. Dabei warten an der rund 1300 Kilometer langen Küste von Bulgarien bis nach Georgien noch ursprüngliche Fischerdörfer, einsame Buchten und kilometerlange Strände auf Besucher.“ – Gut, ich kenne die Region am Schwarzen Meer von Bulgarien bis nach Samsun nicht, aber die Strecke ab Samsun sind wir bis zum heutigen Tage fast komplett abgefahren. Wo soll es diese „ursprüngliche Fischerdörfer, einsame Buchten und kilometerlange Strände“ nur geben?

Wir haben sie gesucht. Wir sind von Istanbul aus durch die dem Schwarzen Meer vorgelagerte Gebirgsregion gefahren. Wir hatten Temperaturen bis 17 Grad. Abends haben wir dann nach fast neun Stunden Reise in Samsun mit der Hoffnung Rast gemacht, bei Sonnenschein am Schwarzen Meer entlang zu fahren. Wir wollten in diesen „ursprünglichen Fischerdörfern“ anhalten und gemütlich bis nach Rize fahren. Doch heute regnete es meist. Aber aus dem Auto steigen wollten wir ohnehin nicht: von Samsum bis nach Georgien (naja, erst morgen lernen wir die letzten 80 km kennen) hat die Strecke nichts mehr mit „Ursprünglichkeit“ zu tun. Neben wenigen Meter Strand, bzw. Felsen folgt direkt eine vierspurig ausgebaute Schnellstraße, dann meist weitere Straßen und erst dann kommen die Dörfer, die in der Regel aus mehrstöckigen Betonklötzen bestehen. Aber das Schlimmste ist wirklich diese Schnellstraße, an der noch fleißig weitergearbeitet wird. Jegliches touristisches Potential der Region wird unter einer Asphaltdecke luftdicht verschlossen: Die Dörfer und Kleinstädte sind vom Meer abgeschnitten, man hätte auch eine Mauer zwischen Meer und Häuser bauen können. Ist das ein Akt der Selbstverstümmelung oder ein hinterhältiger Plan, dem Nordosten der Türkei eine touristische Erschließung zu verwehren? Aber vielleicht wollen die Menschen hier eben keine Touristen oder sie finden es schön so? Morgen fahren wir nach Georgien, und das ist gut so.

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