Rustawi (F: S. Voell)
Rustawi (F: S. Voell)

Letzten Freitag waren wir in Rustawi. Unser Ziel war es mein Auto, das noch immer ein Ausfuhrkennzeichen hatte, offiziell in Georgien einzuführen. Nach zwanzig Tagen muss dies geschehen. Die Behörde in Rustawi meinte, dass es einfacher wäre, das Auto auf einen Georgier zu überschreiben und es dann offiziell einzuführen. Dies hatten wir uns schon vorher gedacht und deswegen war auch meine Kollegin mitgekommen. Auf ihren Namen sollte das Auto angemeldet werden. Ihr Mann überlegt, mein Auto Ende Oktober zu kaufen. Dazu mussten wir in die „wunderschöne“ Stadt Rustawi, die wohl in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Boden gestampft wurde. Diese Stadt mit über 100,000 Einwohnern besteht fast nur auf Plattenbauten und hatte früher viel Schwerindustrie. Die grauen Fassaden hat man mittlerweile farbig angestrichen und, naja, schön ist es wirklich nicht. Wir suchten einen Notar auf, der die Überschreibung des Autos durchführen sollte. Der Notar war der Frau meines Kollegen bekannt – sie ist ebenfalls Notarin, kannte sich aber mit dieser Art Geschäfte nicht aus. Der Notar verlas uns die Urkunde und es wirkte so, als ob er uns alles vorlesen würde. Dem war nicht so, wie sich später herausstellte. Der Notar verlangte 50 Lari für seine Dienste (ca. 22 €), was mein Kollege zunächst als „normal“ bezeichnete. Seine Frau, die Notarin, las sich das Dokument später, als wir aus Rustawi zurückgekommen waren, genauer durch: dort stand, dass die Gebühr eigentlich neun Lari betrage und nicht fünfzig. Es war uns nicht aufgefallen. Sie war sauer und fluchte über ihren Kollegen. Aber da konnte man wohl nichts machen. Ich war ruhig aber fragte mich, warum ich meine Kollegen mitgenommen hatte. Genau dafür, um aufzupassen, dass alles mit rechten Dingen zugeht, sollten sie mitkommen. Aber wahrscheinlich war es das auch für Georgien: Es war als mit rechten Dingen zugegangen …

Wir sind dann zurück zur Einfuhrbehörde und erhielten dann den nächsten Schock. Der Beamte untersuchte die Papiere genau und sagte dann freundlich, dass er knapp 1,000 Lari (ca. 435 €) für die Einfuhr des Wagens haben wollte. Er hatte das Datum der Erstzulassung in ein Computerprogramm gegeben: 1998. Dieses Datum stand auf dem Fahrzeugbrief (den neuen grünen, nicht den alten weißen Brief). Der alte, eigentlich ungültige Brief lag, den Unterlagen auch bei. Das war ein Fehler. Dort stand das Jahr der Fertigung des Autos, nämlich 1997. Als der Beamte dies sah, änderte er den Eintrag im Programm (in Georgien zähle das Fertigungsjahr, sagte er) und heraus kam auf einmal eine Gebühr von über 1,200 Lari (ca. 520 €). Die Gebühr sei bei einer Bank einzuzahlen. War das Auto in Deutschland überhaupt noch soviel wert? Warum will man für mein altes Auto noch eine solch hohe Gebühr? Er stellte sich nach mehreren Telefonaten heraus, dass diese Gebühr tatsächlich korrekt sei. Am nächsten Donnerstag werden wir den Wagen wieder in Rustawi vorführen. Diesmal werde ich den alten Fahrzeugbrief nicht mitnehmen (oder zumindest erst einmal zurückhalten). Dann sollte ich mit „nur“ 1,000 Lari durchkommen.

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