Tq'emali in einer Borjomi-Flasche, daneben Seife. "Waschbecken" in einem Haus in Imereti (Foto: Voell)
Tq'emali in einer Borjomi-Flasche, daneben Seife. "Waschbecken" in einem Haus in Imereti (Foto: Voell)

Wenn ich aus Georgien wieder abreisen werde, dann werde ich sicher wieder literweise tq’emali im Gepäck haben. Freunde geben mir diese typische georgische Saure-Pflaumen-Sauce, die aus der Schlehenpflaume (prunus cerasifera) hergestellt wird. Es ist gewissermaßen das georgische Ketchup und wird u. a. zu Fleisch und Kartoffeln gegessen. Am Besten sollen natürlich nur die hausgemachten Pflaumen-Saucen schmecken. Neben der Schlehenpflaume kommt wohl noch frischer Koriander, Fenchel, Dill, Feldminze, Petersilie und Knoblauch dazu. Aber es gibt wohl unterschiedliche Rezepte.

Bisher war ich der Meinung, dass man tq’mali nur auf Speisen zu sich nimmt. Es steht immer auf dem Esstisch. Stets werde ich beim Essen daran erinnert, doch dies oder jenes mit tq’emali zu essen. Es schmeckt schon gut, aber man muss ja nicht direkt alle Speisen in dem säuerlich und angenehm aufdringlich schmeckenden Zeug tränken. Mein Kollege – vielleicht ist er kein Einzelfall – treibt es mit dem tq’emali auf die Spitze. Regelmäßig trinkt er morgens – oder nach schwerer Feldarbeit auf dem Land – ein ganzes Glas dieses Zeugs. Danach erfolgt in der Regel ein gestöhntes k’aia – ‚das ist gut’.

Wie gesagt, mein Kollege arbeitet auf dem Feld, genauer gesagt in seinen kleinen Weinbergen. Zurzeit spritzt er regelmäßig seinen Wein mit der ‚ganz natürlichen’ weiß-bläulichen Bordeaux-Brühe (oder Kupferkalkbrühe, bouillie bordelaise). Ich bin meist skeptisch, wenn mir irgendjemand sagt, dass etwas ‚ganz natürlich’ sei. Die Pflanzen sehen nach der Behandlung ziemlich weiß aus, und auch die Hände der Weinbauer bzw. ihr Spritzgerät sind weiß. Und hier bekomme ich eine neue Funktion des tq’emali vorgeführt. Die Chemie-Reste der ‚natürlichen’ Bordeaux-Plörre lösen sich wohl am Besten mit tq’emali. Hände und Gerät werden also nach dem Spritzen ausgiebig mit tq’emali gereinigt.

Tq’emali schmeckt gut, aber ich bin nachdenklich geworden. Georgier essen ihre Sauce, mit der man sogar hartnäckige Chemie-Reste beseitigen kann. Naja, die Bordeaux-Brühe soll nicht giftig sein. Der Wein schmeckt gut und auch tq’emali. Mein Kollege meinte, ich sollte mein Auto mit tq’emali waschen, es könnte ihm nicht schaden. Hm.

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2 Gedanken zu “tq’emali

  1. Eine schöne Geschichte über eine deliziöse Sauce. Sie erinnert mich an die vietnamesische Fischsauce Nuoc Mam, ohne die ein Vietnamese keinen Bissen runterkriegt, die er daneben auch zum Einpökeln von Schweinefleisch, aber auch gegen Magenschmerzen, Durchfall, Sonnenstich und Verbrennungen einsetzt. In einem alten DDR-Kochbuch erklärte ein Vietminh-Kämpfer, dass Nuoc-Mam in Ermangelung von Dynamit auch zur Zerstörung von Betonbrücken angewendet wurde – nur eine Rinne hacken, erhitzen und die Sauce reingießen. Der Beton zerfällt, die Brücke stürzt ein. Im übrigen, lieber Stéphane, hebe mir bitte eine Flasche Tq’emali auf – die aus dem Laden taugt nicht viel!

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