Auch die georgische Seite hat es dann irgendwann nicht mehr verstanden. Fünf Studierende aus Aserbaidschan und sechs aus Armenien. Doch sie sollten beide nicht in einem Hotel wohnen. Wer weiß was nachts alles passieren könne, wurde gesagt. Man dürfe doch die „Kinder“ nicht alleine lassen. Studenten um die zwanzig Jahre sind hier noch Kinder. Es ging auch nicht um die Sorgen von Lehrern mit Teenagern beim Schulausflug. Grenzen dürfen nicht überschritten werden, auch nicht in Schlafzimmern. Meine georgischen Kollegen fanden die Bedenken doch etwas übertrieben. Oder vielleicht nicht?

Die Studierenden aus Armenien und Aserbaidschan trafen auf ihre Kommilitonen aus Georgien. Letztere waren ca. fünfzehn. In fünf Gruppen diskutierten die Studierenden über die Konflikte im Südkaukasus, je Gruppe einer der drei Dauerbrenner im Kaukasus. Die sollten mögliche Auswege aufzeigen, so naiv sie vielleicht auch erscheinen mögen. Doch es ging uns nicht hauptsächlich um diese Perspektiven. Im Vordergrund stand eigentlich der Diskussionsprozess in der Gruppe.

Anfangs hatten wir Zweifel ob das Experiment nicht nach hinten losgeht. Die eine Seite beschwerte sich bei uns jeweils über die andere Seite, dass sie nur in ihren nationalistischen Positionen verharren würden und ob man nicht über etwas anderes reden könnte. Wir haben nicht eingegriffen, auch weil wir nicht so richtig wussten, wie. Alle Gruppen mussten aber am Ende der Woche etwas präsentieren. Niemand wollte sich wahrscheinlich vorne hinstellen und nichts sagen. Die Gruppen mussten sich zusammen raufen und irgendetwas vortragen. Und es auf. Die Studierenden stellten dar, dass die Zukunft bei der jungen Generation liege („denn wir haben Internet und PowerPoint“), dass man diese Art von Treffen häufiger machen müsste und die gemeinsame Arbeit zu einem Thema doch ganz spannend sei.

Die Georgier hatten einfaches Spiel. Es waren keine Abchasen da, oder gar Südosseten. Sie waren die Vermittler und Gastgeber. Am Schluss haben sie alle an der georgischen Tafel und auf der Tanzfläche zusammengebracht. Alle tanzten zusammen, sangen auch, und man sah die Armenier mit den Aserbaidschanern sich zusammen auf Fotos ablichten. Blitzlichter und Lichtblicke.

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