Haus in Zugdidi
Haus in Zugdidi

Kleine Vignette aus Zugdidi: Vom 18.08. bis zum 01.09.2012 war ich in Georgien und leitete das Projekt „Transgressing Conflicts from Below: Interethnic Contacts in Border Villages in the Southern Caucasus“ (CCC2), gefördert vom DAAD. Für letzteren muss ich bald mal einen Abschlussbericht schreiben und stöbere deswegen in den Unterlagen. Ich stieß auf meine Mitschrift eines Interviews in Zugdidi. Ich war dort mit Ketevan Khutsishvili und anderen an der „Grenze“ zu Abchasien. Die Studierenden forschten zu dem Grenzverkehr.

An diesem Tag saßen wir bei einer internationalen NGO, die seit 1994 Projekte in Abchasien durchführt. In den letzten Jahren würden sie besonders versuchen, kleine, wirtschaftliche Projekte in der Landwirtschaft zu unterstützen. Ja, sagt er, die Grenze sei wie ein Schweizer Käse, doch nicht für die NGO. Der offizielle Weg sei schwierig. Man könne sehr Vieles nach Abchasien ein und wieder ausführen, aber nicht auf offiziellem Weg. Sie müssten sich aber an die offiziellen Weg halten.

Er erzählt wie die NGO Brahma-Küken nach Abchasien einführen wollte. Der Kauf der Küken in Russland wäre viel zu teuer gewesen. Die Einfuhr nach Abchasien aber einfach. Sie kauften die Küken in Georgien. Es war so viel billiger, doch die Einfuhr nach Abchasien sei in den letzten Monaten sehr schwer geworden. An der Grenze wollte man sie nicht passieren lassen, denn sie hätten Angst wegen möglicher Krankheiten der Tiere. Es wurde ein ärztliches Gutachten notwendig, das auch schnell den abchasischen Grenzbehörden vorgelegt werden konnte. Doch auch dies half nicht. Auf dem Dokument waren georgische Buchstaben gedruckt, das wollten die abchasischen Behörden nicht akzeptieren. Die Ladung wurde zurückgeschickt.

Wir äußerten unsere Verwunderung. Können ein paar georgische Zeichen auf einem Attest so große Probleme machen?

Er lacht, der Mann von der NGO. Er erzählt von einer anderen Aktion. Wieder wollten sie örtliche Bauern unterstützen. Die NGO hatte die Genehmigung erhalten an einem bestimmten Tag eine größere Menge an Samen für die Landwirtschaft nach Abchasien einzuführen. In einem großen Karton waren Tüten mit vielen, vielen ganz kleinen Tüten, in denen jeweils eine bestimmte Menge Samen eingepackt waren. In jeder dieser unzähligen kleinen Tüten gab es einen kleinen Zettel mit der Beschreibung des Inhalts. Doch auf diesen kleinen Zetteln standen zwei georgische Wörter, nicht mehr. Um die Einfuhr nach Abchasien nicht zu gefährden, mussten alle Zettel aus den kleinen Tüten entfernt werden. Doch es blieb nicht mehr viel Zeit. Der Mann von der NGO berichtete, wie die ganze Nachbarschaft zusammensaß und zwei Tage lange kleine Tüten aufriss und die Zettel mit den zwei georgischen Wörtern entfernte.

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