Ich liebe Projektanträge. Ich liebe es besonders, Projektanträge zu schreiben. Seit drei Jahren mache ich nichts anderes. Ich habe Anträge für kleine, mittlere und große Projekte geschrieben. Mal waren viele Menschen im geplanten Projekt beteiligt, mal war nur ich vorgesehen. Ich habe Projektanträge bei großen Organisationen eingereicht und auch bei kleinen Stiftungen. Ich glaube, dass ich viele Stellungen durchlaufen bin. Aber es geht immer weiter und noch ist so viel zu entdecken: Neue Spielarten, neue Geldgeber, neue Möglichkeiten und neue Förderthemen. Ich finde es gut, dass es häufig thematische Ausschreibungen gibt. Dann muss ich meinen Kopf nicht so lange martern, bis mir eine neue Projektidee eingefallen ist. Themenvorgaben machen es leicht: Mal schrieb ich Anträge zu Recht oder zu Religion, mal zu Konflikt, und nun sind Themen wie Naturschutz oder Ökologie ausgesprochen en vogue. Ich überlege gerade, auch hier ein Projekt einzureichen. Mir wird schon etwas einfallen.

Die Jahre 2009-2011 waren aber sehr hart. Wider Erwarten hatte man mir ein Projekt bewilligt und ich war genötigt, nicht nur Pläne für das Forschen zu schreiben, sondern selbst zu forschen. Es war mühsam. Das war ich gar nicht gewohnt. (Nebenbei: das Forschen war gar nicht so schlimm wie ich dachte, es war sogar recht schön! Aber bitte, sagt es niemandem weiter, sonst könnte jemand denken, dass mir das Forschen liege.)

Lästig wurde das bewilligte Projekt besonders dann, als mir klar wurde, dass ich auch über jenes Schreiben sollte, was ich dort erforscht hatte. Doch glücklicherweise war das Projekt schnell vorbei. In der Regel dürfen Projekte keine lange Laufzeit haben: das ist weise, denn sonst käme jemand auf die Idee, tatsächlich noch in der Projektlaufzeit über die Forschung im Projekt zu schreiben. Nun komme ich also leider, leider nicht mehr dazu, meine Texte zu schreiben. Ich muss neue Projektanträge verfassen. An Artikel oder gar die Habilitation ist da nicht zu denken. Fragen danach lächele ich müde weg. Diese Ignoranten, wo denken die nur hin?

Ich freue mich auf besondere Antragsverfahren, wie jenes vor einigen Monaten, in dem mein Antrag zwei exzellente Gutachten bekam und ich wieder vor Angst schlotterte, mein Projektantrag würde bewilligt. Glücklicherweise entschied die Kommission anders: sie ignorierte einfach die tollen Gutachten und lehnte meinen Antrag wortarm ab. Wahrscheinlich fanden sie ein Eselsohr in meiner PDF-Antragsdatei. Aber ich wollte es genau wissen und reichte den Antrag fast unverändert noch einmal ein. Das war mutig von mir, denn die Sachbearbeiterin und auch Kollegen meinten, dass der Antrag gute Chancen hätte durchzukommen. Bei den Gutachten! Ein wenig Glück bräuchte ich nur, sagte man mir. Und ich hatte Glück: Es gab zwei neue Gutachter und einer haute mich in die Pfanne. Ich habe gejubelt! Auf meine Anträge ist Verlass. Nur ein kritisches Gutachten unter Vieren, und schon bekam ich wieder meinen liebsten Ablehnungssatz zu hören: „Das Projekt entspricht qualitativ nicht dem Standard von Vorhaben, die wir fördern.“ Ich war gerettet. Am nächsten Tag begann ich mit einem neuen Antrag.

Schade nur ist, dass man für das Antragschreiben kein Gehalt bekommen.

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