"Outside of the Heydar Aliyev Center in Baku, Azerbaijan" (© Grzegorz Wąsik). Das wird wohl das Titelbild des Sammelbands.
„Outside of the Heydar Aliyev Center in Baku, Azerbaijan“ (© Grzegorz Wąsik). Das wird wohl das Titelbild des Sammelbands.

Bin ich glücklich, dass mein Sammelband endlich erscheinen wird? Zusammen mit meiner Kollegin Iwona Kaliszewska gebe ich das Buch State and Legal Practice in the Caucasus heraus. Es gibt darin zahlreiche spannende Artikel von Kolleginnen und Kollegen. Freunde und Bekannte klopfen mir, bildlich gesprochen, auf die Schulter. Es sei eine schöne Leistung, bei diesem Verlag zu veröffentlichen.

Das Buch wird bei Ashgate erscheinen, einem britischen Verlag, der sich gefreut hatte, als wir ihm das Manuskript angeboten hatten. Bis zur Fertigstellen des Manuskriptes (vor der Einreichung bei Ashgate) war es ein langer, steiniger Weg. Ich hatte darüber berichtet. Das Buch wird unglaubliche dreieinhalb Jahre nach der Konferenz erscheinen, die am Anfang des Projekts stand. Die damals vorgestellten „aktuellen“ Forschungsergebnisse sind mittlerweile historische Zeitdokumente.

Ich kann mir jetzt eine weitere Veröffentlichung in einem schönen Verlag auf meine Publikationsliste setzen. Genau dies hatten mir Freunde und Kollegen geraten: publiziere doch nicht immer in so kleinen Dingern und dann auch nicht immer nur in Marburg beim Förderverein! Eine Aussage dieser Art hatte man mir auch jüngst bei einem Vorstellungsgespräch um die Ohren gehauen.

Ashgate ist toll. Ich arbeite dort mit freundlichen und kompetenten Ansprechpartner zusammen, die wissen, was zu einem Publikationsprozess gehört. Im Gegensatz zu einigen deutschen Wissenschaftsverlagen musste hier auch nichts für die Veröffentlichung gezahlt werden. Ich muss den Text nicht selbst setzen (das machen Fachleute, nicht die Autorinnen und Autoren selbst: und das sieht man). „Nur“ den Index müssen wir noch selbst bearbeiten.

Nun, weswegen veröffentliche ich eigentlich meine Texte? Ich denke, um über meine Forschung zu berichten. Damit meine Arbeiten gelesen, rezipiert, diskutiert, kritisiert aber vielleicht auch bewusst ignoriert werden. Ich möchte, dass jeder die Möglichkeit hat, die Texte in welcher Art auch immer zu nutzen. Aber genau dies werden nicht so viele Menschen tun können. Das Buch ist einfach zu teuer: es wird wohl siebzig Pfund kosten! (Das ist vermutlich der Preis dafür, dass ich nichts für die Veröffentlichung zahlen muss. Jedoch muss man in vielen deutschen Verlagen für die Publikation zahlen und die Bücher sind dennoch teuer).

Vor zehn Jahren wollte ich meine Dissertation online veröffentlichen. „Damals“ war es bereits möglich gewesen, sie als PDF-Datei auf den Seiten der Universitätsbibliothek Marburg bereitzustellen. Es hätte auch offiziell als Veröffentlichung gegolten, hätte mich damit auch Dr. schimpfen und alle Interessierten hätten weltweit, jederzeit und kostenfrei darauf zugreifen können. Doch ich war damals im Gespräch mit einem Leiter einer großen Forschungseinrichtung. Ich sollte das nicht machen, diese online-Veröffentlichung, „bei uns“ zählten noch Bücher, sagte er.

Die Idee dahinter ist wohl, dass es in Verlagen eine Art Qualitätsmanagement mit internen oder externen Gutachtern (Peerreview) gibt. Nun, bei Dissertationen ist das ja kaum der Fall. Diese dürfen in der Regel nicht verändert werden und angenommene Doktorabreiten sind ja sowieso immer ganz toll und über jeden Zweifel erhaben. Dieses Qualitätsmanagement machen nur wenige Verlage und Reihen. Bei Ashgate gab es auch kein Peerreview, zahlreiche Kolleginnen und Kollegen hatten aber ihr Feedback auf verschiedene Teil des Buches gegeben. Eigentlich sind diese Verlage ohne Peerreview nur Vorzimmer von Druckereien, die zu drucken scheinen, was immer auch kommt, solange man zahlt. Warum also Verlage? Ashgate sei doch eine gute Leistung, sagt man mir.

Ich bin froh, dass das Buch bei Ashgate erscheint. Doch es ist sicher keine Leistung. Eine besondere Leistung wäre es gewesen, das Buch einfach online zu stellen, für alle erreichbar und ohne dass man so viel Geld ausgeben muss. Doch dann hätten viele Personen in der Community das Buch nicht als Buch sondern allenfalls als Working Paper oder Report gesehen, obwohl eigentlich das gleiche drin steht. Eigentlich ärgere ich mich über mich.

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