Wenn es denn so einfach wäre ...
Wenn es denn so einfach wäre …

Seit einiger Zeit arbeite ich vermehrt im Bereich der Hochschuldidaktik, in der zentralen Hochschuldidaktik der Universität Marburg. Die verschlungenen Pfade der Arbeit an Hochschulen führten mich mit einem Bein dort hinein. Nein, keine Sorge, es ist nicht ansteckend und es tut auch nicht weh. Aber ich sehe nicht selten Skepsis in den Augen meiner Gesprächspartnerinnen und -partner. Wenn ich von meiner Arbeit in der Hochschuldidaktik spreche, dann scheint diese Tätigkeit für mein Gegenüber nicht selten so spannend wie Brandschutz. Ja genau, diese anstrengenden Mitmenschen, die Glastüren an scheinbar sinnfreien Standorten einziehen und alle jene Dinge, die klinisch tote Gebäudegänge geringfügig lebendiger erscheinen lassen (ein Poster, eine zarte Topfpflanze, oder ein Stuhl vor dem Zimmer des Professors) lautstark mit dem Verweis „Das ist doch ein Fluchtweg!“ entfernen lassen. Hochschuldidaktik scheint wie Brandschutz. Irgendwie ist es schon wichtig, aber eigentlich lästig und unendlich wichtigtuerisch.

Seit 1999 bin ich in der glücklichen Lage, regelmäßig Lehrveranstaltung halten zu dürfen. Ja, ich bin glücklich, denn es bereitet mir Freude. Kurz nach dem Magister setzte man mich vor die Studierenden, gefolgt von einem „Sie schaffen das schon!“ und – weil ich offenbar noch nicht überzeugt schaute – einem „Schauen Sie es sich einfach bei uns ab wie es geht!“ Ich schätze noch immer sehr einen Großteil meiner akademischen Lehrer von damals, doch auch sie hatten Entwicklungspotential in manchen Bereichen.

Irgendwann kam der Moment in dem ich mir dachte, wenn du so in deinen Lehrveranstaltungen weiter machst, dann rennen dir deine Studierenden alle schreiend aus deinem Seminar, oder schlimmer, sie schlafen dir ein, oder noch schlimmer, du schläfst selbst ein. Seitdem strukturierte ich meine Veranstaltungen um, probierte neue Formate aus und arbeitete mich in allgemeine didaktische und methodische Themen ein. Ich schaute in meinem Fach nach innovativen Formaten (was leider nicht fürchterlich lang dauerte) und tobte mich ein wenig in Veranstaltungen aus. Ich hätte nicht mein Student gewesen sein wollen, aber mir zumindest hat es Spaß gemacht. Vielleicht war es dennoch lustig mit anzusehen, wie das eine oder andere überraschenderweise doch funktionierte, anderes jedoch auch scheiterte. Nun, es kommt immer darauf an wie man es im Nachhinein darstellt …

Ich beschäftige mich mit Fachdidaktik. Und eigentlich ist mein Eingangssatz „Seit einiger Zeit arbeite ich vermehrt im Bereich der Hochschuldidaktik“ relativ banal. Es sollte kein großes Thema sein, sich mit Fachdidaktik zu beschäftigen. Ein Großteil unserer Arbeit an Hochschulen hat direkt und indirekt mit Didaktik zu tun. Sobald man sich vor Menschen stellt, und ihnen was vermitteln will, dann sollte man sich über Didaktik und Methodik (der Lehre) Gedanken machen. In die Feldforschung geht man doch auch nicht unvorbereitet und benötigt ein Forschungsdesign und Methoden (der Kultur- und Sozialforschung). Dabei könnte man auf Letzteres, die Methoden im Feld, noch verzichten. Wenn man hier nicht vorbereitet ist, dann schadet man nur seinem eigenen Forschungsprojekt. In der Lehre, hingegen, führt der Verzicht von didaktischer und methodischer Vorbereitung zu weitaus größeren Schäden.

Aber die Lehre ist das ungeliebte Stiefkind. In unseren großen Forschungseinrichtungen wird Lehre als Störfaktor ausgeblendet. Doch auch in der Universität wird immer gerne versucht, sich von der Lehre zu befreien. Hier kann man keine zählbaren Meriten für die individuelle Karriere erwerben. Diese Reaktion ist verständlich, denn die Rahmenbedingungen wollen es so, aber es ist auch fürchterlich bequem. Es gibt Freisemester zum Forschen für Professuren, warum gibt es nicht mal ein Freisemester zum Lehren?

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