Straße bei Marneuli (2009)
Straße bei Marneuli (2009)

Das Buch sollte so etwas wie die finale Publikation sein. Das Projekt ist schon viele Jahre zu Ende: fast sechs davon sind bereits verstrichen. Unser Team hat sich aufgelöst und macht andere Sachen. Wir hatten einige Texte zu dem Projekt bereits veröffentlicht, doch es fehlte noch das Buch. Jetzt liegt es vor.

Es ist nicht so, dass wir sechs Jahre an dem Buch gearbeitet hätten. Das hätte dem Text sicher gut getan. Das Buch wurde immer nach hinten geschoben. Irgendwann musste dann eine Entscheidung getroffen werden: machen wir das Ding noch fertig oder lassen wir es ganz bleiben? Unser Geldgeber, die Volkswagen Stiftung, hatte das Buch bewilligt und das Geld überwiesen. Es gab wohl kein Weg mehr zurück. Jetzt liegt es vor.

Es ist eigentlich keine würdige Projektpublikation, denn es fehlen zentrale Aussagen aus unseren Projektergebnissen, die woanders veröffentlicht wurden. Die hätten wir unbedingt auch mit einbauen müssen. Sicher hätten uns die Verlage die Erlaubnis gegeben, dies zu tun. Doch es ist mir eingefallen als es schon zu spät war. Jetzt liegt es vor.

Sollte ich jetzt nicht Werbung für das Buch machen? Ich habe keine Lust, groß die Trommel zu rühren. Es gab einen Post auf Facebook, natürlich, und darauf auch viele Glückwünsche. Mein Post kam eher automatisch. Der Verlag in Marburg versucht, die Werbetrommel zu rühren. Ich freue mich darüber sehr aber irgendwie scheint es mir auch nicht wichtig, dass es jemand liest. Jetzt liegt es vor.

Warum? Ich glaube, dass das Buch ganz OK ist. Das Problem liegt woanders. Ich wollte vielleicht das Buch nicht zu Ende bringen, weil es bedeutet, dass es vorbei ist: diese Forschung in Georgien. Drei Jahre Projekt und 11 Monate Feldforschung. Ich vermisse das Team, das Leben vor Ort und die Forschung. Danach war alles anders. Jetzt liegt es vor.

Ich hole das Buch aus dem Regal und blättere es durch, so wie ein Daumenkino. Ich rieche die Druckerschwärze noch und blicke auf das Titelbild. Das Bild zeigt eine Straße in der Nähe von Marneuli auf dem Weg nach Khaishi in 2009. Ein Jahr später werde ich dort selbst mit meinem grünen Opel Astra Kombi, den ich mit meiner Kollegin von Marburg über Österreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien und die Türkei nach Georgien gebracht habe, über die Straßen in die Dörfer der Swanen düsen. Doch jetzt liegt es vor.

Traditional Law in the Caucasus
Local Legal Practices in the Georgian Lowlands

edited by Stéphane Voell
Marburg: Curupira, 2016.

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