Während CCC5 in Batumi 2015 filmt Julien Diebel für seinen Dokukmentarfilm
Während CCC5 in Batumi 2015 filmt Julien Diebel für seinen Dokukmentarfilm

2014. Wir saßen in Marburg in unserer Wohnung. Es waren einige der Organisatoren von Caucasus Conflict Culture (CCC) dabei und wir fragten uns, ob wir mit unserem studentischen Forschungsprojekt im Kaukasus weitermachen sollten. Was könnte es für Themen geben, die uns noch interessieren?

Seit 2011 organisieren wir studentische Forschungsprojekte im Südkaukasus mit zwanzig Studierenden aus der Region und Deutschland. Doch jetzt war etwas die Luft bei uns raus. Schon wieder diese ganze Organisation, für die einem kaum einer dankt? Einer von uns machte einen Vorschlag: Lass uns ein Projekt zu LGBT in Georgien machen.

Wir lächelten vor uns hin und spielten die Idee durch. Wahrscheinlich ging es uns damals gar nicht um das Thema LGBT an sich, sondern einfach darum, ein sehr unbequemes Thema zu wählen. Im Jahr zuvor stürmte ein Mob angeführt von Klerikalen mit Schaum vor dem Mund eine Gruppe von 50 Aktivisten, die am Int. Tag gegen Homophobie auf die Straße gingen. Die Bilder vom 17. Mai 2013 waren damals weltweit zu sehen.

Wir fanden es in der Vergangenheit schon schwierig genug, uns während des Projekts über Bergkarabach oder Abchasien  konstruktiv auszutauschen. Aber war das Thema LGBT nicht ein wenig zu heiß? Wir malten uns aus, wie es sein könnte: Wir eröffnen in Tbilisi unseren Workshop mit den Studierenden aus Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Marburg und plötzlich stürzen wütende Menschen, Mönche und die berüchtigte Union der orthodoxen Eltern den Konferenzraum. Die Union hatte schon gegen den satanischen Harry Potter, Halloween-Feiern oder den Papstbesuch aufbegehrt. Jetzt würden sie CCC versenken.

2015 gab es dann wieder ein Projekt (CCC5) – aber nicht zu LGBT. Im letzten April arbeiteten wir in Batumi am Schwarzen Meer zum Thema Identität von georgischen Muslimen in einem christlich orthodoxen Land. Es war ein schönes Projekt, aber zu einem sehr klassischen Thema in der Region.

Im letzten Sommer wollte ich eigentlich die Deadline für einen neuen Antrag verstreichen lassen. Wieder war die Luft raus. CCC5 war gut gewesen und es wurde sogar ein schöner Dokumentarfilm gedreht. Es war der Zeitpunkt gekommen, aufzuhören, dachte ich. Doch die Kollegen aus dem Kaukasus meldeten sich: wir sollten einen neuen Antrag schreiben! Es sei doch ein schönes Projekt. Aber zu was für einem Thema? Da ließ man mich ein wenig alleine.

Ich erinnerte mich wieder an LGBT. Wäre die Zeit jetzt gekommen? Wohl kaum und die Chance von bärtigen Männern in Roben und satanischen Eltern richtig Probleme zu bekommen ist noch immer groß. Wir haben das Thema Sozialer Aktivismus gewählt, und wollen zu Bewegungen in Tbilisi arbeiten, die inspiriert von Occupy, Guerrila Gardening oder Recht auf Stadt ihre Stimme erheben. Ein Nebensatz im Antrag jedoch spricht auch von LGBT.

Mitte August geht es wieder los mit unserem Projekt. Wir bereiten uns brav auf Sozialen Aktivismus und Soziale Bewegungen im Kaukasus vor. Aber das Thema LGBTwerden wir in diesem Jahr nicht aus den Augen verlieren. Vielleicht will sich eines der Teams während des Projekts damit beschäftigen. Doch wir werden es nicht an die große Glocke hängen. Das Thema ist zu wichtig in Georgien und die bärtigen Verrückten viel zu gefährlich.

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